„Raupenmatsche“

BIld ist von meinem lieben Onkel gemacht! Lieben Dank dafür <3

Ich weiß, das große Veränderungen niemals nur in unserer äußeren oder in unserer inneren Umgebung stattfinden. Ich weiß es. Aber das heißt nicht, dass ich wirklich darauf vorbereitet gewesen bin, was gerade in meinem Leben passiert. Um es tatsächlich zu beschreiben, fehlen mir die Worte…aber ich habe das Gefühl, meine Freundin Rebekka hat es neulich ganz gut zusammen fassen können. Als sie mich besuchte habe ich ihr mehr darüber erzählt, was gerade für mich passiert und wie ich mich damit fühle und ihre kurze Antwort war: „Dann bist du jetzt gerade wahrscheinlich Raupenmatsche!“. Ich wusste nicht sofort, was sie damit meinte, aber als sie es erklärt hat, konnte ich mich mit der Beschreibung ausgesprochen gut identifizieren 😀 Sie erzählte, dass jeder ja dass Sinnbild „Jeder Schmetterling war einmal eine Raupe“ oder „Aus jeder Raupe wird einmal ein Schmetterling“ kennt. Aber was dabei oft nicht all zu sehr bedacht wird, ist, dass die Raupe verhältnissmäßig lange Zeit in einem Kokon verbringt und das, was dort passiert…denn tatsächlich ist es so, dass sich die Raupe dort erst einmal zu großen Teilen auflöst. Während das Immunsysthem der Raupe mit aller Kraft gegen die Veränderung kämpft, verwandelt sie sich langsam in „Raupenmatsche“ und erst dann beginnt die neue Entwicklung zum Schmetterling. Ich denke, besser kann ich meine aktuelle Situation nicht beschreiben…dieses riesige Chaos. Die Unsicherheit. Überforderung. Lebensfreute. Begeisterung. Freiheit. Liebe. Angst. Diese Vielzahl an Emotionen, die Zerrissenheit. Ich habe vorher gewusst, dass ich mich auch persönlich weiter entwickeln muss um die nächsten Schritte zu gehen…aber irgendwie habe ich in meiner Naivität gedacht, dass ich schon weiter wäre. Ich habe gedacht, die Vergangenheit hätte mich bereits auf die Zukunft vorbereitet. Aber das stimmt nicht. Die Vergangenheit hat mich vorbereitet dafür, was JETZT in meinem Leben ist. In diesem, einen, Moment. Aber sie hat mich noch nicht darauf vorbereitet, was morgen sein wird. Denn darauf kann ich mich nur JETZT vorbereiten. Mit allem was ich bereits erfahren habe und mit dem, was ich gerade jetzt erfahre muss ich Entscheidungen treffen und mich vorbereiten auf das, was die Zukunft bringt und wenn ich den nächsten Schritt tue, werde ich wieder vor neuen Herausforderungen stehen. Ich weiß nicht, ob das Leben jemals einfach sein wird…und vielleicht ist es auch gar nicht so gemeint…aber ich glaube gerade jetzt, lerne ich mehr als jemals zuvor aus meinen negativen Gefühlen. Überall dort, wo etwas Raum entsteht, bahnen sie sich einen Weg. Die zerstörerischen Selbstzweifel. Die Angst. Die Unzufriedenheit. Die Überforderung. Sie schreien nach Veränderung und legen mir zur gleichen Zeit Steine in den Weg, mit deren Gewaltigkeit ich niemals gerechnet hätte. Ich bin gezwungen so viele verschiedene Themen auf einmal zu bearbeiten, so viel in Frage zu stellen, so vieles aufzulösen, was sich für mich bisher so vertraut und selbstverständlich angefühlt hat…

Es ist nicht leicht, all diese Prozesse zu durchlaufen und dabei noch den Alltag und die Verantwortung für so viele zu tragen. Ich habe das Gefühl, ich verstehe zum ersten mal, warum die meisten Menschen nicht so viele Tiere haben 😀 Bis her, habe ich die Schuld für das ständige Gefühl von Stress und Überforderung immer gekonnt darauf schieben können, dass „Die Schule mir zu viel Druck macht“ oder „Mein Job einfach nicht passt und zu viel Kraft raubt“…aber jetzt stehe ich hier und merke: Es bleibt dabei! Wenn ich meinen Tieren wirklich gerecht werden möchte, bleibt keine Zeit mehr um Geld zu verdienen. Und wenn ich in finanzieller Sicherheit leben möchte, ist es mir unmöglich, meinen Tieren das zu geben, was sie verdienen. Und wenn ich beides einigermaßen unter einen Hut bekommen möchte, dann muss ich sehen wann ich alle paar Tage mal die Zeit finde um unter die Dusche zu kommen und Kreativität? Entfaltung? Persönlichkeitsentwicklung? Zeit für mich selbst? Was ist das???

In den letzten Jahren habe ich anscheinend irgendwie immer in einer MIschung aus allen drei Möglickeiten gelebt. Mal dies, mal das, mal jenes vernachlässigt. Aber ist das der einzige Weg? Ist das, das Los Jener, die zu viel vom Leben wollen?

So viele Fragen…so viele Herausforderungen…und die einzige Lösung, ist weiter gehen. Neue Erfahrungen sammeln. Neue Möglichkeiten entdecken. Und weiter arbeiten an der Idee von einem Leben, dass ich bis heute nur im Traum sehen kann.

„Das ist das Ende!“ – denkt die Raupe

„Das ist der Anfang!“ – ruft der Schmetterling

 

Gibt es hier noch jemanden, der sich gerade wie „Raupenmatsche“ fühlt? 😀

 

 

 

6 Kommentare

  1. Liebe Rosina, ja ich fühle dich sehr sehr sehr gut. Mein Leben steckt gerade in einem großen Wandel und ich glaube Leben wird niemals einfach aber es bleibt immer spannend. Ich drücke dich und lebe gerade das drölfzigtausendste Mal als Raupenmatsche. Ein schönes Gleichnis übrigens ❤️

    • Liebe Bö, ich freue mich so sehr über deine Offenheit und generell die Möglichkeit, dir begegnen zu können <3 Ich glaube fest daran, dass auch du eines Tages deinen Kokon aufbrechen wirst! Aber bis dahin freue ich mich, dass du mir im Club der "MatschRaupen" gesellschaft leistest 😀

  2. Raupenmatsche ist ein schönes Sinnbild. Ich bin in einer ganz anderen Lebenssituation als du, aber auch hier die totale Raupenmatsche. Bei mir ist es die Verantwortung für zwei Kinder, der Wunsch ihnen ein einigermaßen ‚artgerechtes‘ Leben zu ermöglichen, der Druck Geld verdienen zu müssen, im Alltag so fest zu stecken, dass die Kraft fehlt sich aus eben diesem zu befreien, die Angst, nicht mutig genug zu sein, zu viel zu denken zu wenig zu handeln, zu spüren das soviel mehr in einem steckt, die Trauer darüber, dass nicht alle Wege gegangen werden können, die Freude, dass man sich dem ganzen so bewusst sein darf, Dankbarkeit und Demut für den Augenblick und immer da, der Wunsch nach angekommen sein.

    Finde deinen Blog übrigens toll! Danke!

    • Lieben Dank an dich Mo <3 Für deine lieben Worte, die Wertschätzung und überhaupt - die Arbeit die du jeden Tag leistest! Ich glaube, auch wenn unser Alltag sicher sehr verschieden ist, ist die Grundsituation doch recht ähnlich 😀

  3. Jupp. Ich. Hier.
    Morgen fängt ein neuer Teil meines Lebens an.
    Nach über 20 Jahren Arbeit in der Psychiatrie geht es nun in der Somatik weiter.
    Alles anders und doch irgendwie gleich.
    Alles in der Schwebe. Stunden reduzieren?
    Leben ohne Nachtdienst? Und noch so einiges mehr. In der Pflege bleiben? Mal was anderes ausprobieren? Mein Buch schreiben, woran ich schon so lange denke?
    Ich finde es toll, Rosina, dass Du den Mut hast, Dich durch die Raupenmatsche zu wühlen. Aber ich weiß auch, dass Du es schaffst und ein wunderschöner, einzigartiger und großartiger Schmetterling werden wirst!
    Genau wie Deine Mama.

    • Danke, Danke, Danke <3 Deine Worte bedeuten mir wirklich unglaublich viel & ich bin ehrlich gespannt, wie es für dich weiter gehen wird! Dein Buch habe ich auch nicht vergessen - auch wenn ich gerade mehr als genug am laufen habe, würde ich super gerne mit dir zusammen daran basteln!

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