Mein größter Wunsch

Als ich heute morgen mit meinen Tieren draußen war und im Nebel Fotos und Videos gemacht habe, langsam in den Tag gestarted bin, da habe ich mich wieder einmal (wie fast jeden morgen seit ich meinen Job verlassen habe) daran erinnert, wie sehr ich mich nach genau dieser Freiheit gesehnt habe….16 Jahre lang war es mein größter Wunsch. Die Freiheit, zuhause sein zu können wann und wie lange ich will. Ich kann mich noch so gut daran erinnern, wie ich mich morgends auf den Weg zur Schule gemacht habe und diese tiefe Verzweiflung und Trauer gespürt habe. Morgends, wenn es hier am schönsten ist, wenn die Magie des Tages sich entfaltet und erwacht….musste ich fort um den größten Teil des Tages in engen Räumen zu sitzen. Mich mit Dingen beschäftigen, die mich nicht interessierten und mit Menschen zusammen sein die mich (zumindest in meiner Wahrnehmung) nicht mochten und erst recht nicht verstanden. Ich habe mich so klein und hilflos und fehl am Platz gefühlt.

Als ich dann eben rein gekommen bin, habe ich durch mein altes Tage Buch geblättert und so viele Einträge gefunden, die ich in der Schule verfasst habe, während ich mich nach hause gewünscht habe.

“ 10.März 2013 : Ich sitze im Bus. Die Bäume ziehen wie dunkle Schatten an mir vorbei. Wieder fahre ich weg. Wie jeden Tag. Fahre in die Schule. Lasse alles zurück und gehe in die Schule. In die Schule! Jeden Tag muss ich gehen, sitzen, warten, lernen. Wozu? Jeden Tag kann ich bloß hoffen, dass das alles schnell vorbei geht. Jetzt sitze ich auf meinem blöden Stuhl und höre dem Kratzen der Kreide an der Tafel zu. Meine Lehrerin erklärt den anderen irgendetwas über Adverben.Was soll ich damit? Ich denke an mein zuhause. Wenn ich nachher wieder komme ist der halbe Tag vorbei. Ein halber Tag, den mein Hund damit verbracht hat auf mich zu warten. Wie jeden Tag. Ein halber Tag, den ich von meinem Leben verloren habe. Wir müssen unsere Arbeitshefte holen. Seite 84, Prüfung 2011, Reading. Was soll ich damit? Der Schweinestall müsste dringend gemisted werden, die Ziegen warten im Stall. Sie warten auf mich. Jeden Tag warten sie auf mich. Aber meine Lebenszeit wartet nicht.  Und was tue ich? Ich bin in der Schule. Lerne. Für die Zukunft sagt man mir, aber wer weiß, ob ich überhaubt so etwas habe? „

Das kleine Mädchen von damals lebt immer noch in mir. Selbst wenn ich das hier schreibe, kommen mir die Tränen. Wie sehr habe ich darunter gelitten, nicht das tuen zu können, was mir wirklich wichtig war. Wie sehr habe ich mir das Leben teilweise auch selber schwer gemacht indem ich gegen das bestehende System gekämft und mich selbst zum Opfer gemacht habe….aber ich kannte keinen anderen Weg….

Ich kann wirklich nicht behaupten, dass mein Leben sich gerade nur leicht und wundervoll anfühlt. Es passiert viel, nicht alles so, wie ich es gerne hätte…aber dennoch…diesen einen Wunsch habe ich mir erfüllt. Ich kann endlich frei uns selbst entscheiden, wann und ob ich diesen Ort verlassen möchte. Und ehrlich gesagt….ich tue es ausgesprochen selten & ganz sicher nicht an solch einem magischen Morgen wie heute.

Ich bin unendlich dankbar, dieses Ziel ereicht zu haben und sehr gespannt, wie es von hier aus weiter gehen wird….

Vielen Dank, dass DU mich & uns auf diesem Weg begleitest und dazu beiträgst, dass dieses Leben möglich ist ♥

11 Kommentare

  1. Kevin Adrián

    Es genial saber que otra persona pudo hacer sus sueños realidad. Pasar de hacer un oficio que te estaba ahogando a otro que es un placer. Quizás de eso también trate la vida, de buscar y luchar hasta encontrar y hacer lo que en verdad amas. Te envío un saludo desde Táchira, Venezuela. Te escribo en español para que estés conscientes de que tu mensaje llega a cualquier parte del mundo, sin importar el idioma.

    • Hey 🙂 I hope you understand english aswell! As I first read your comment I´ve wondered that you´ve been writing in spanish. But as I translated it, I´ve felt so happy that you did! Thank you for your heartwarming message I really appreciate that you took your time to remind me on the amazing feeling to be connected all over the world. ♥

      • Kevin Adrián

        Yes, I also know English (Actually, I’m studying English and French at the university). I wrote to you in spanish just to let you know that there are people around the world whom love the kind of things people like you do. In fact, it was because of Jonna Jinton that I came to you (she shared a video of you). I love the way you two girls see the world. You are the kind of people I’d love to be sorrounded by.
        By the way, this is my Facebook page, if you would like to be more connected: https://www.facebook.com/kadrisan6/

        P.S. I want to learn German in the near future.

      • Oliver im Allgäu

        Hallo Rosina, deine Blogzeilen berühren wieder tief. Danke dir dafür.
        Ich wünsch dir alles Gute und viel Freude auf deinem Weg.
        Ich kann gut Spanisch und wenn es wieder einen Spanischen Kommentar gibt den ich dir übersetzen kann, sag einfach Bescheid.

  2. Liebe Rosina. Deine Worte haben viele Erinnerungen hervorgerufen. Mir ging es wie dir! Schule war keine gute Zeit und hat dazu beigetragen, dass sich auch die Arbeit später im Leben nicht gut angefühlt hat.
    Manche Menschen sind vielleicht einfach so, dass sie FREI sein müssen und nicht gut mit Zwängen leben können, wo die eigene Kreativität und Persönlichkeit keinen Platz hat. Ich glaube, das geht besonders sensiblen Menschen so – und Menschen, die es lieben sich künstlerisch auszudrücken.
    Ich habe immer sehr darunter gelitten und es genau wie du schreibst empfunden, dass ich das Gefühl hatte, Lebenszeit zu verlieren.
    Im Frühling 2013 (- zu der Zeit wo du in dein Tagebuch geschrieben hast-) habe ich endlich den Schritt in die Freiheit gewagt, mit über 40 Jahren. Es hat viel Mut gekostet und es ist nicht immer leicht. Aber ich habe es nie bereut! Endlich bin ich FREI und habe ZEIT. Zeit so zu leben, wie ich es möchte. Das gute, einfache, langsame Leben. Zeit für Natur und Tiere. Zeit für mich und meine Kreativität.
    Es ist so toll, das du den Schritt schon jetzt gewagt hast, Rosina. Geh DEINEN Weg!
    Es wird dir gelingen! Sei so AUTHENTISCH wie möglich!!!

    Das Bild von dir und der Ziege im Nebel unterm Baum ist sooo schön 🙂

    Übrigens: war das nicht sehr kalt, an einem Oktobermorgen in so einem dünnen Kleid??

    Ich wünsche dir alles Gute <3

    P.S.: Hast du schon mal von Andre Stern gehört? Sein Buch "Und ich war nie in der Schule" wird dir sicher gefallen. Er ist der Beweis dafür, wie wunderbar sich ein Mensch glücklich, kreativ und intellligent entwickeln kann – ganz ohne Schule 🙂 Ein Traum!

    • Hey 🙂
      ich wollte gerade den Coputer herunter fahren, als ich deinen Kommentar gesehen habe und da muss ich natürlich sofort antworten 😀
      Wie schön, einen kleinen Teil deiner Geschichte zu hören ♥
      Ich habe oft das Gefühl, dass es gar nicht nur ein paar bestimmte Menschen sind, die unter den aktuellen Systhemen leiden, sondern eigentlich alle. Der Unterschied ist aber, wie intensiv und bewusst man eben das auch wahrnimmt. Viele scheinen ihr Leben, so wie es ist, akzeptiert zu haben und andere, genau eben solche, wie du beschreibst, können daran wirklich zugrunde gehen. Sie müssten, um ihren vorgefertigten Platz in der Gesellschaft annehmen zu können, ihrer Persönlichkeit verleugnen und das aufgeben, was sie als ihren natürlichen Platz erkannt haben….
      Ich würde gerne noch mehr darüber verstehen und nach neuen Wegen suchen…meistens liegt mein Fokus ja bei den Tieren aber (gerade auch da ich auch Erzieherin bin) finde ich den ganzen Bereich der „Bildung“ und „Erziehung“ in unserer Gesellschaft auch sooo wichtig!
      Und ja, Andre & Arno Stern kenne ich, habe schon viel von ihnen gelesen & interviews angehört. Bin also definitiv ein Fan 😉 Das Buch habe ich allerdings noch nicht gelesen…ich denke, es kommt direkt mal auf meine Liste 😀
      Alles Liebe für dich ♥

    • Achso und was mir gerade noch auffällt…ich habe vergessen zu sagen: Ja, es war ziemlich kalt 😀 Aber die meiste Zeit hatte ich meine dicke Jacke an (man sieht sie auf dem Bild mit der Katze ein bisschen). Die ist aber wirklich nicht sehr ansehnlich, deswegen habe ich dir bei den Bildern ausgezogen 😉

  3. Hey Rosina ❤️
    Hab mich lange nicht getraut deinen Blog zu lesen, weil er mich immer wieder mit meinem innersten konfrontiert das (mal wieder) geknebelt und ignoriert in meinem unpassenden Alltag ausharren muss. Immer wenn ich von dir lese spüre ich diese Sehnsucht nach mehr wieder. Diese Sehnsucht nach Freiheit und leider auch ganz deutlich wie falsch mein Leben einfach immer noch läuft – obwohl ich es schon soo lange weiß.
    Trotzdem tat es gut mich überwunden und getraut zu haben und an das Leben zu denken das du führst, als bestes Beispiel dafür was alles möglich ist.
    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Ausdauer für den Winter und gesunde Tiere die mit Dir den Frühling erwachen sehen.
    Pass auf dich auf!
    Jule

    • Hey meine Liebe ♥
      Ich freue mich unendlich von dir zu hören & ich möchte dir etwas mitgeben, dass ich auf meinem Weg gelernt habe: Man ist nie Falsch dort oder wie man ist. Wenn du spürst, dass du deine Zukunft gerne anders gestallten möchtest, kann ich dir sagen, dass es möglich ist. Du hast die Kraft dazu. Du bist der einzige Mensch auf der Welt, der diese Kraft hat. Aber es ist schwer, diese Kraft zu finden, solange du dich selber klein hälst und gegen das, was ist, ankämpfst. Wenn ich zurück denke an die Zeiten, indenen ich mich am schlechtesten gefühlt habe, so klein, machtlos und unglücklich…da kommen mir wirklich die Tränen. Und trotzdem bin ich dakbar dafür. Denn diese Zeiten haben mir so viel gelehrt und mir den Weg gewiesen. Und genau so, kannst du es auch erleben. DU bist schon lange auf dem Weg und du hast so viel gelernt, so viel richtig gemacht. Mach dich nicht klein, nur weil du dein Ziel noch nicht erreicht hast, wie langweilig wäre das denn, wenn du jetzt schon alles wissen, können und machen würdest, wovon du träumst 😉
      Alles, alles liebe an dich ♥

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