Kompass verloren

Nun sitze ich endlich wieder einmal hier um ein paar Worte an euch zu schicken ♥
Die letzten Wochen waren sehr intensiv für mich und ich habe das Gefühl, ein bisschen den Kompass verloren zu haben…Wellen von Arbeit, all den Dingen die ich tun muss und will, schlagen über mir zusammen und irgendwie habe ich das Gefühl, das Schwimmen verlernt zu haben. Stattdessen bin ich aktuell noch damit beschäftigt, abwechselnd hilflos in der Gegend herum zu rudern oder mich geschlagen treiben zu lassen…
Vielleicht kennen einige von euch das Gefühl…wenn so viele Dinge darauf warten getan zu werden, dass man nicht mehr weiß, womit man anfangen soll und lieber gar nichts tut!? Oder wenn man etwas tut und dabei immer das Gefühl hat, es wäre eigentlich nicht das richtige, weil 100 andere Dinge so viel wichtiger erscheinen?
So fühlt sich mein Leben (abgesehen von einigen lichten Momenten) gerade an.
Und das, obwohl die Küken gerade endlich anfangen erwachsen zu werden, sodass ich mich nach Wochen endlich auch tagsüber wieder frei auf dem Hof bewegen kann.

Matti wenn sie Spaß hat 😀

Doch um so deutlicher wird nun, wie viele Aufgaben mir bevor stehen. Heute haben wir die erste Fuhre Heu geliefert bekommen (Ein reiner Segen und dank der Hilfe von Carsten wurden die 151 Bunde auch schnell verstaut).

Für mich ist es reines Gold ♥

Den ganzen Sommer bin ich regelmäßig am Zaun stecken für die Kühe, die leider dennoch immer mal wieder ausgebrochen sind, und in den nächsten Wochen muss noch eine Fläche von mehr als einem Hektar umzäunt werden. Die Winterunterkunft der Kühe ist an mehren Stellen ziemlich demoliert und muss erneuert werden. Ställe misten, ein krankes Schwein, ein Ochse der sich einen Spaß daraus macht Spaziergänger zu erschrecken, zwei kaputte Batterien vom Zaungerät, wucherndes Unkraut, ein Huhn & eine Ente die jeden Tag bis zu 100 Mal in die Wohnung machen & noch zu klein sind um endgültig auszuziehen, das eine oder andere Notfall Tier…achso…ja…und natürlich gibt es auch noch einen Alltag und nebenbei mache ich mich noch selbstständig, verbringe Stunden am Computer und arbeite an meinem Schmuck und mehren anderen Projekten. Und eigentlich bin ich auch ein Mensch. Ein Mensch, der sich Zeit und Ruhe wünscht um in sich zu gehen und durch zu atmen. Und der sich manchmal sehr leicht von dem Leid auf dieser Welt in einen dunklen Abgrund ziehen lässt. Ein Mensch, der davon geträumt hat, diesen Sommer seine Wohnung zu renovieren und Struktur und Ordnung in sein Leben zu bringen .

Unkraut vom Weg kratzen – entlich mal etwas, wo Bibi ordentlich mit helfen kann 😀

Arbeiten an meinem liebsten Arbeitsplatz mit meinem Schmuck ♥

Aber stattdessen wechsle ich immer noch zwischen „Frühstück um 17 Uhr und dauer durch ackern“ und „antriebslos auf dem Sofa liegen, im drama versinken und purer Überforderung“. Doch so viel es auch ist, was auf meinen Schultern lastet…ich kann ehrlich und aufrichtig sagen, dass ich jede dieser Aufgaben gerne erfülle. Ich liebe jede der Arbeiten. Denn ich fühle mich lebendig, wenn ich bei Regen Zäune baue, um mitternacht noch Ställe miste, jeden Tag aufs neue sehe, was ich bewegen kann. Ich fühle mich stark, wenn ich neues lerne. Wenn ich den Stapel an Papier-Kram besiege. Ich bin im Frieden, wenn ich Stunden lang zarte Blüten in meinen Schmuckstücken konserviere.

Viele der Dinge, die ich vor einigen Monaten so klar gesehen habe, werden jetzt in frage gestellt und ja, ich habe den Kompass verloren. Aber es ist nicht das erste Mal. Und ich weiß, ich werde ihn wieder finden und ich bin auf dem richtigen Weg. Auf meinem Weg. Ich darf lernen, den Fokus zu behalten, den Reichtum in meinem Leben zu erkennen und weiter zu gehen, als jemals zuvor.

Wahrer Reichtum ♥

Bisdahin kann es sein, dass ihr hier nicht ganz so viel von mir hört…aber wir werden sehen…

Ich danke euch in jedem Fall von Herzen dafür, dass ihr Teil unserer Reise seit & dass ihr mir helft, den Mut zu finden, ich selbst zu sein. Danke ♥

Read it loud: I am enough.

 

4 Kommentare

  1. Peter-Otto Weber

    Du hast nicht den Kompass verloren – du hast dein Ziel nicht vor den Augen oder es auch noch nicht klar definiert…

    • Anonymous

      Ich habe ein Ziel vor Augen, aber ein Ziel ist ja nicht nur ein Ziel. Auf dem Weg dorthin gibt es viele weitere Ziele, die erreicht werden wollen. Und ja, dort fehlt mir definitiv noch die Genauigkeit. Mein Ziel ist auch nicht leicht mit dem Verstand zu greifen oder zu erklären, da es ein Gefühl ist, dass ich erreichen möchte. All die Ziele, die sich in einer materiellen Welt leicht setzten lassen, geben mir keine dauerhafte Motivation. Ich weiß, was ich will, aber ich weiß noch nicht, wie ich es erreichen werde. Gerade wenn der Alltag auf die simpelsten Werte des Lebens herunter gebrochen wird, gibt es wie so oft zwei Möglichkeiten – entweder man findet die Weisheit zwischen den Momenten und in der Eintönigkeit, oder eben nicht. Zur Zeit finde ich sie eher nicht. Ich finde mich selbst öfter im Drama meiner Gedanken und eben nicht auf der Zielgerade, auf der ich gerne wäre. Aber das ist OK. Wahrscheinlich kann ich so oder so nicht selbst beurteilen, wo ich gerade stehe. Nicht, solange ich aus dieser Perspektive auf mich schaue. Ich habe also eigentlich keine Ahnung, wo ich bin und auch nicht, wohin genau ich meinen nächsten Schritt machen soll. Und das ist OK. Einfach, weil es so ist. Aber das heißt nicht, dass es so bleiben sollte und auch nicht, dass es so bleiben wird. Ich gehe weiter und ob die Richtung für mich stimmt, wird sich zeigen wenn ich bereit dazu bin, es zu sehen.

      • Peter-Otto Weber

        Wie sollen Ziele formuliert sein?

        S – Spezifisch. Ein Ziel sollte so genau und konkret wie möglich sein. …
        M – Messbar. Wichtig ist hier die Nennung eines Mengengerüstes, einer Zeitangabe oder eines sonstigen messbaren Kriteriums. …
        A – Akzeptiert. …
        R – Realistisch. …
        T – Terminierbar.

        Es ist die Klarheit der Ziele, die Gefühle der Sicherheit entstehen lässt.

        Ordne die Ziele in kurz-, mittel- und langfristig. Dann wirst du sehen, dass die Unordnung in deinem Kopf verschwindet.

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