Abschied nehmen

Ich habe es in meinem letzten Post schon erwähnt und ich habe recht behalten. Für Haway war es gestern an der Zeit, zu gehen.  Ich habe es schon einige Tage zuvor gespürt und ab Samstag Abend war ich mir sehr sicher mit diesem Gefühl. Haway war schon sehr alt, ich weiß zwar nicht genau wie viele Jahre sie alt war, weil sie bereits als erwachses Kaninchen hier her gekommen ist, aber in jedem Fall hat sie viele andere  Kaninchen überlebt. Sie hatte keine offensichtliche Krankheit, ich denke für sie war es einfach an der Zeit zu gehen um endlich wirklich frei zu sein. Deswegen bin ich sehr dankbar dafür, dass sie so friedlich gehen konnte. Denn wenn ich ganz ehrlich bin, war Haway die meiste Zeit ihres Lebens ein bisschen wie ein wandelnder Vorwurf für mich. Sie war eine von der Sorte, deren größtes Bestreben immer die Freiheit war. Etwas, dass ich ihr kaum bieten konnte.

Bevor sie hier her gekommen ist, hatte sie wild gelebt. Die Geschichte, die man mir zu ihr erzählte war, dass sie mit mehren anderen Kaninchen zusammen gelebt hatte, die aber so mangelhaft versorgt wurden, dass Nachbarn es nichtmehr mit ansehen konnten und sie frei ließen. Nach und nach wurden alle der Kaninchen von Raubtieren gefressen bis keines mehr zu sehen war. Nur eine Frau begegnete noch lange danach jeden Morgen an der Bushaltestelle einem weißen Kaninchen. Da niemand sonst ihm begegnete, glaubte ihr niemand. Dadurch hat Haway ihren Namen erhalten, sie wurde nach einem Hasen in einem alten Film benannt, indem ein Junge ein weißes Kaninchen als Freund hat, das von niemandem anderes gesehen werden kann 😀 Nach einiger Zeit gelang es der Frau allerdings Haway einzufangen und da niemand wusste wohin mit ihr, brachte man sie zu mir.

Ihre Sehnsucht nach der Freiheit hat Haway nie abgelegt, sie war wild, wiederspenstig und unfassbar klug. Aber auch sehr sensibel und sozial. Sie hat sich mit jedem anderen Kaninchen und allen Tieren des Hofes, denen sie hier begegnet ist, verstanden.

Sie war ein wundervolles Mahnmal dafür, was Kaninchen wirklich sind und was sie sein wollen ♥

Auch wenn mich ihr Tod weder überrascht hat noch sehr traurig stimmt, beschäftigt er mich. Zum einen habe ich nun eine neue Herausforderung, weil Lotti das letzte verbleibene Kaninchen ist und ich entscheiden muss, wie ihr Leben nun weiter gehen soll und zum anderen hat es mir wieder einmal bewusst gemacht, wie schnell unsere gemeinsame Zeit doch verfliegt und wie viele „alte“ Tiere mich eigentlich begleiten….der Gedanke, in den nächsten Jahren noch so viele meiner Herzenswesen verabschieden zu müssen schmerzt und erinnert mich daran, wie wichtige es mir ist, die gemeinsame Zeit wirklich zu genießen. Im Alltagsstress und im Zusammenleben mit so vielen verschiedenen Persönlichkeiten vergisst man doch allzuschnell wie wertvoll jeder einzelne, gemeinsame Moment ist.

Um in  nächster Zeit  ein bisschen bewusster mit diesen Momenten um zu gehen, habe ich mich heute dazu entschieden mein Smartphone endlich mal wieder für eine Woche aus zu schalten. Ich werde über den PC (und mein Notfallhandy für alle, die die Nummer haben 😉 ) zwar immernoch erreich bar sein, aber eben nicht mehr überall dieses klingelnde und piepende Ding dabei haben, das einen so leicht den Augenblick des seins vergessen lässt….

Wie gehst du mit den Themen Tod & Sterben um? Und erinnerst du dich oft genug an die Kostbarkeit des Lebens in jedem Moment? ♥

Hier noch ein paar Bilder aus Haway´s Leben hier:

4 Kommentare

  1. Heike Benthin

    Liebe Rosina, Haway lebt vielleicht jetzt die Freiheit, die er so geliebt hat. Tod gehört zum Leben, es gehört ganz natürlich dazu. Wir dürfen traurig sein, weil wir damit Wertschätzung ausdrücken, aber wir dürfen auch dankbar sein für die schöne gemeinsame Zeit voller liebevoller Zuwendung. Eines Tages aber müssen wir Abschied nehmen und froh sein, wenn wir endlich von Leidvollem erlöst werden. Wie du die Erinnerung an Haway mit den schönen Bildern mit uns teilst, zeigt deine unendliche Liebe zu ihm, die immer bleibt, danke ❤️

    • Dankeschön ♥ Und ja, du hast so recht…ich bin mir sicher, dass sie jetzt gerade ein wundervolles Sein erlebt und wirklich Frei sein kann ♥

  2. Alles ist vergänglich und wir sind tot, in dem Moment, in dem wir geboren werden. Ich habe schon oft Tiere sterben gesehen – einige davon habe ich bewusst sterben lassen, indem der Tierarzt auf meinen Wunsch hin die letzte Spritze gegeben hat. Ich frage mich oft, ob es richtig war oder falsch. Was für ein Gefühl ist es, einem sehr kranken Huhn den Kopf abzuschlagen? Es ist sicher kein gutes Gefühl. Aber – ich trage eine Verantwortung für die Tiere um mich herum. Ich muss Entscheidungen treffen, ob ich dem Tier weitere Qualen zumuten möchte oder es lieber gehen lasse. Wieviele Menschen halten Hunde oder Katzen wochenlang am Leben – ein Leben unter erbärmlichen Rahmenbedingungen. Vielleicht müssen die Tiere sich mit Schmerzen oder Einschränkungen über diese Zeit retten, weil die Menschen aus purem Egoismus sie nicht gehen lassen wollen? Es mag nicht jeder diese Einstellung teilen, aber ein geliebtes Tier in Würde und ohne Qualen über die Regenbogenbrücke gehen zu lassen – das ist der letzte, große Beweis meiner Liebe. Ari, Ben, Monty, Ayla, Merlin – so viele Namen in meinem Kopf – und es sind nicht alle -, die ich nie vergessen werde. So viele Fragezeichen, ob die Entscheidung richtig war. Aber auch so viel Liebe, weil ich diese Entscheidung getroffen habe, obwohl es mir das Herz zerrissen hat.
    Haway bekam ein Heim voller Liebe und Zuwendung. Mehr kann man einer anderen Seele kaum geben. Wenn er jetzt gehen sollte, dann ist das eben so und es ist genau so auch richtig. Sich am Leben festzuklammern wird nie gelingen. Deshalb ist der Tod auch ein so wichtiger Teil unseres Lebens. RIP Haway, auf der grünen Hoppelwiese auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke. Dort, wo wir uns alle einmal treffen werden…

    • Dankeschön für all deine lieben & weisen Worte & ganz nebenbei, auch für deine letzte E-mail – ich habe mich da nochmal weiter schlau gemacht 😉
      Aber um zum Thema zurück zu kehren – ich glaube, es ist unendlich wertvoll, zu lernen, den Tod als einen Teil des Lebens anzunehmen. Das, was wirklich schwer daran ist, ist meistens nur der Prozess des sterbens, nicht aber der Tod selbst. Er ist befreieind und lichtvoll. In meiner Vorstellung einfach nur eine Übergang unserer Seele in eine „neue Dimension“.
      Ich persönlich kann trotzdem kein Leben bewusst beenden (zumindest nicht mit meinen eigenen Händen) und bin sehr dankbar, dass die meisten meiner Tiere ihren Weg alleine & in frieden gefunden haben. Aber manchmal ist es wirklich die größte Ehre, die man einem Sterbenden erweisen kann, diesen Weg eben etwas ab zu kürzen, wie auch immer das sein mag. ♥

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